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Mütter haben mehr drauf als ‚Mann‘ denkt

Das Projekt PAfIN (Paten für Integration in Norden) der Stadt Norden in Ostfriesland setzt an den besonderen Herausforderungen beim Berufseinstieg von Migrantinnen mit Familienverantwortung. 

Über die Beratung, Begleitung und Vorqualifizierung, in Kooperation zwischen der Kreisvolkshochschule (KVS) Aurich-Norden, Standort Norden und dem Jobcenter, werden Frauen auf eine Integration in Beschäftigung vorbereitet. „Das Projekt hat sich als Unterstützung für Frauen auf Ihrem Weg zur Aufnahme einer Arbeit, Ausbildung oder beruflichen Weiterbildung erfolgreich etabliert“, wirbt Malte Hinrichs, Abteilungsleiter Arbeitsvermittlung. So berät das Jobcenter regelmäßig Frauen (im Bedarfsfall mit Unterstützung von Sprachmittler*Innen), die gewillt sind, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, um auf eigenen Beinen zu stehen, Geld zu verdienen und für sich selbst zu sprechen, im Hinblick auf eine Teilnahme.

Papier raschelt, Stifte werden aus ihren Etuis gekramt, 14 Augenpaare richten sich konzentriert auf die Tafel, auf der das nüchterne Wort Haftpflichtversicherung prangt. Dass die ganz besonders für Familien mit Kindern hierzulande praktisch unumgänglich ist, weiß bislang keine der Teilnehmerinnen. Projektleiterin Andrea Knaup wird mit vielen Alltags- und Verständigungsproblemen, mit Verbraucherfragen und Behördengängen der Frauen aus Syrien, Sudan, Äthiopien, Eritrea, Afghanistan, Iran und Irak, konfrontiert. Längst hat sie den Kurs auf die Bedürfnisse der Frauen abgestimmt und erspürt, wo besondere Defizite liegen, aber auch die besonderen Stärken, die jede mitbringt. Die Integration in Arbeitsmarkt und Gesellschaft ist das Ziel, der Weg dahin ist zu schaffen.

Mit einem Spracheinstufungstest direkt bei Kurseinstieg wird ausgemacht, wo die Teilnehmerinnen sprachlich stehen. Die Vorkenntnisse sind ebenso wie das Alter der Teilnehmerinnen ganz unterschiedlich. „Das macht aber nichts, beruhigt Andrea Knaup, „die Gruppe hat sich toll entwickelt, alle haben sich gut zusammengefunden und helfen sich gegenseitig, auch außerhalb des Kurses.“ Es werden Rezepte ebenso ausgetauscht wie vor Telefonbetrug gewarnt oder eine Betriebskostenabrechnung in ihre Bestandteile zerlegt, Bewerbungen geschrieben und Vorstellungsgespräche simuliert. „Einige haben auch ihren Freundinnen von dem Kurs erzählt und diese mitgebracht, sofern die Kinderbetreuung daheim gesichert war.

Eines eint die Frauen: Alle sind Mütter und alle haben den festen Willen, ihren Kindern zur Seite zu stehen, ein Vorbild zu sein, die Versorgung zu sichern und sich in einem fremden Land zu integrieren. Natürlich ist auch die Sicherung des Aufenthalts ein Ansporn. Wenn das Organisatorische wie KiTa, Schule oder Arzt und Behördengänge bewältigt sind, ist der Weg frei, auch beruflich die Fühler auszustrecken. PAfIN vermittelt in Sprachkurse, unterstützt bei der Anerkennung von ausländischen Bildungsabschlüssen oder zeigt Wege für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf. KVHS und Jobcenter organisieren Praktika oder vermitteln erste Eindrücke auch in Küche, Hotel- und Restaurantbetrieb der KVHS, bis es dann auch in die Betriebe geht. Dabei ist insbesondere die Zusammenarbeit und der enge Kontakt mit den Arbeitgebern der Region ein Pluspunkt, von dem die Frauen bei der Jobsuche profitieren. Der regelmäßige Austausch von Jobcenter und KVHS, kurze Wege und eine unkomplizierte Kommunikation kommen den Frauen unbedingt zugute. „Gar keine Frage, das Selbstbewusstsein wird gestärkt, wenn die Frauen wissen, was in welcher Situation zu tun ist, Verantwortung übernehmen und ihr Leben selber lenken können“, ist Torsten Sandmann, Projektverantwortlicher aus dem Jobcenter Norden überzeugt.