Anerkennungsmarathon für eine Augenärztin

Die Augenärztin Anna Velychko kam 2015 mit ihrer eineinhalbjährigen Tochter und ihrem Mann aus der Ukraine nach Deutschland. Um in ihrem erlernten Beruf weiter arbeiten zu können, galt es, viele Hürden zu überwinden.

In Dresden, ihrem ersten Wohnort, fand sie wertvolle Unterstützung und praktische Hilfestellung bei der „Stark im Beruf‟-Kontaktstelle beim „Bildungszentrum Lernen+Technik‟ in Dresden. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Fulda.

Als die heute 33­jährige Anna Velychko nach Deutschland kam, hatte sie in der Ukraine ihr Studium abgeschlossen und bereits begonnen, als Augen­ ärztin zu arbeiten. Zusammen mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter entschied sie sich 2015, ein Jahr nach dem Ausbruch des Krieges in der Ostukraine, zur Flucht nach Deutschland. Als jüdischstämmige Zuwanderer hatten sie keine großen Probleme, ein Anrecht auf Daueraufenthalt zu bekommen.

Auf viel größere Herausforderungen traf Frau Velychko dagegen bei der Verwirklichung ihres Wunsches, in ihrem Beruf als Augenärztin weiterzu­ arbeiten. Ein verwirrender Dschungel von Regelungen und Vorschriften für die Berufsanerkennung und Berufserlaubnis, genauso wie für die staatliche Zulassung (Approbation), die sich zudem von Bundesland zu Bundesland unterscheiden, stand ihr im Weg. „Gerade für uns Ärzte sind die Regelungen so unübersichtlich. In jedem Bundesland läuft es anders und du sitzt da und denkst: ‚Oje, oje, was soll ich jetzt machen?‘ Ich wusste gar nicht, wo ich anfangen soll.“

Unseriöse Firmen boten Dienstleistungen an, um zugewanderten Ärzten zu helfen, in der Regel gegen eine Vorauszahlung von mehreren Tausend Euro. Wirklich vertrauenswürdige Unterstüt­zung fand sie erst, als sie im Internet an ihrem damaligen Wohnort Dresden auf die „Stark im Beruf“­Kontaktstelle beim „Bildungszentrum Lernen+Technik“ stieß. Dort traf sie auf die Projektberaterin Olga Andreyeva, die ebenfalls aus der Ukraine stammt. Die Verständigung der beiden Frauen in ihrer Muttersprache war eine große Hilfe.

Im Einzelcoaching erbeiteten die beiden anhand der Vorkenntnisse und Fähigkeiten von Frau Velychko einen Plan um ihre Wünsche umzusetzen: „Ein Plan ist wirklich das Wichtigste, damit du weißt: Hier musst du das machen, da musst du dieses machen. Du rennst nicht hin und her, und du hast nicht tausend Gedanken im Kopf: Soll ich das oder jenes zuerst machen? Eine Reihenfolge macht das Leben sehr viel einfacher.“

Als der richtige Weg einmal gefunden war, folgten die nächsten Schritte schnell. Dank ihrer Deutsch­Vorkenntnisse konnte Anna Velychko rasch die ersten Sprachprüfungen ablegen. Die Anerkennung ihres Studiums verhalf ihr zu einer für zwei Jahre gültigen Berufserlaubnis, sodass sie nun als Assistenzärztin arbeiten durfte. So konnte sie schon ein Jahr nach ihrer Ankunft in Deutschland damit beginnen, Bewerbungen zu schreiben. Wie allerdings eine gute Bewerbung aussieht, wusste sie aus ihrem Heimatland nicht, denn dort hatte sie sich nie bewerben müssen. Auch in dieser Frage fand sie Unterstützung beim „Bildungszentrum Lernen+Technik“, welches Schulungen und Bewerbungstrainings anbot.

Ende 2016 fand Frau Velychko ihre erste Anstellung als Ärztin in Fulda. Mit ihrer Familie zog sie nach Hessen, wo sie begann, in einer Augenarztpraxis zu arbeiten. Um aber dauerhaft als Ärztin praktizieren zu können, brauchte sie die vollwertige Zulassung. So standen als Erstes weitere Sprachprüfungen an. Anna Velychko reiste kreuz und quer durch Deutschland, um Schulungen zu absolvieren und Prüfungen abzulegen.

Als größte Herausforderung erwies sich schließlich die Approbation, also die Prüfung als Fachärztin für Augenheilkunde. In Hessen wären dafür fünf weitere Jahre Ausbildung erforderlich gewesen. Fast hätte Anna Velychko die Aussicht verzweifeln lassen, noch einmal ihr ganzes Studium nachholen zu müssen, während sie sich gleichzeitig um ihre Familie kümmern wollte.

Wieder wandte sie sich ratsuchend an „Stark im Beruf“ und an Olga Andreyeva in Dresden.

Gemeinsam mit ihr fand sie eine Lösung, den Weg zur schwer erreichbaren Approbation ganz entscheidend abzukürzen und zu vereinfachen. In Dresden wurden spezielle Kurse angeboten, um Ärztinnen und Ärzte auf die benötigte Facharztprüfung vorzubereiten. Zudem stellte sich heraus, dass andere Bundesländer bei der Anerkennung von Studienleistungen und Berufsjahren weit entgegenkommender waren als ihr Wohnortland Hessen. Auf Anraten ihrer Projektberaterin Frau Andreyeva bewarb Anna Velychko sich in Thüringen und wurde dort angenommen. Im Jahr 2020 ging sie für neun Monate in das gut 100 Kilometer entfernte Suhl und legte schließlich erfolgreich ihre Facharztprüfung ab.

Anschließend kehrte Frau Velychko nach Fulda zurück, wo sie nun mit vollwertiger Anerkennung als Fachärztin für Augenheilkunde in der gleichen Praxis weiterarbeiten konnte. „Jetzt kann ich machen, was ich machen möchte. Ich operiere, ich entwickle mich weiter. Ich habe alle Punkte abgehakt, die man machen muss. Alles, was jetzt kommt, sind Sonderwünsche oder Extras.“

Das Bildungszentrum Lernen+Technik gGmbH Dresden

stellt ein mit den Partnern aus Arbeitsmarkt und Wirtschaft vernetztes Beratungs- und Coachingkonzept für die Teilnehmerinnen zur Verfügung und erleichtert so den Zugang zum Arbeitsmarkt.

Kontakt:

Bildungszentrum Lernen+Technik gGmbH Dresden 01219 Dresden • www.lernen-technik.de