Eine Architektin geht ihren Weg

Julia Suliman arbeitete als Architektin für das Wohn – und Siedlungsprogramm der UN im syrischen Alepppo. 2014 floh sie vor dem Krieg und seit 2018 lebt sie mit ihrer 5-jährigen Tochter in Freiburg. Sie hat uns von ihrem Lebensweg erzählt und berichtet, wie sie für die „Stark im Beruf“-Kontaktstelle der Stadt Freiburg vor die Kamera ging.

Ein Vorbild war Julia Suliman schon in ihrem Heimatdorf Basufan im Nordwesten von Syrien. Sie war die erste Frau mit einem abgeschlossenen Ingenieursstudium und arbeitete als Architektin. Viele Mädchen sahen die 20-Jährige als Vorbild und wollten auch studieren.

Jetzt ist sie ein Vorbild für Mütter mit Migrationsgeschichte, die in Deutschland den (Wieder-)-Einstieg ins Berufsleben suchen und dafür, wie gut „Stark im Beruf“ diese Mütter auf ihrem Weg unterstützt.

Dazwischen liegt eine bewegende, oft traurige Geschichte von Flucht und Neuanfang.

In Syrien arbeitete Julia 10 Jahre als Ingenieurin in Aleppo, unter anderem für die UN HABITAT, das Wohn- und Siedlungsprogramm der Vereinten Nationen. Hier erforschte sie die Lebensbedingungen der Menschen und suchte nach Möglichkeiten zur Verbesserung. Auch hier war sie eine Vorreiterin – sie war die erste Architektin in dem Büro und setzte sich besonders für die Lebensbedingungen von Kindern und Frauen ein.

Nach ihrer Flucht aus Syrien 2014 kam sie nach Deutschland; hier wurde ihre Tochter Gul - “Rose“ auf Persisch - geboren. 2018 kam sie mit ihrer nun 2-jährigen Tochter Gul nach Freiburg, wo bereits ihre Schwester Ana lebt. Neben der Nähe zu ihrer Familie wollte Frau Suliman vor allem ihre Deutschkenntnisse verbessern, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Sie machte einen Deutschschnellkurs und fand eine Wohnung über die kommunale Wohnungsbaugesellschaft „Freiburger Stadtbau“. Dieses Unternehmen sollte noch eine entscheidende Rolle spielen.

Ihr Ansprechpartner aus dem Jobcenter verwies sie an das von der Stadt Freiburg getragene ESF-Projekt „Stark im Beruf“. Die „Stark im Beruf“-Kontaktstelle in Freiburg wird von der Kommune getragen. Dies hat sich als sehr positiv erwiesen – es steht vor allem für kurze Wege und ein gut funktionierendes Netzwerk.

Nadya Sahutoglu leitet die „Stark im Beruf“-Kontaktstelle in Freiburg seit über sechs Jahren. Sie unterstützt mit ihrem Team Mütter mit Migrationsgeschichte und hat schon viele Frauen auf dem Weg in die Berufstätigkeit begleitet. Von ihrer eigenen Erfahrung als alleinerziehende Mutter profitiert ihre Beratung und sie hat auch jenseits der offiziellen Zeiten immer ein offenes Ohr für „ihre“ Frauen.

Julia Suliman fühlte sich gleich wohl im Angebot von „Stark im Beruf“. Sie beschreibt ihre Erfahrung in der Gruppe so: „Wir sind alle Mütter, wir sind alle nicht von hier und wollen Fuß fassen im neuen Land – so haben wir ähnliche Probleme. Man sieht, die anderen haben diese Probleme auch und das hilft schon viel.“ So war sie bereit, über ihre teils traumatischen Erfahrungen vor der Kamera zu berichten, als Nadya Sahutoglu sie fragte, ob sie bei einem Film über „Stark im Beruf“ dabei sein wolle. In diesem Kurz-Film schildern drei Teilnehmerinnen von „Stark im Beruf“ ihren Lebensweg und ihre Erfahrungen mit „Stark im Beruf“. Diesen Film können Sie hier ansehen.

Heute ist Julia Suliman im Einkaufsteam der Freiburger Stadtbau beschäftigt und kümmert sich um Ausschreibungen und Projekte im kommunalen Wohnungsbau. Den Weg zu dieser Stelle ebnete „Stark im Beruf“. Mit Hilfe der Kontaktstelle konnte Frau Suliman den B2-Sprachkurs absolvieren und erhielt Hilfe beim Verfassen ihres Lebenslaufs. Damit bewarb sie sich unter anderem beim Freiburger Stadtbau Verbund. Mit Erfolg: Sie konnte im Februar 2020 ein viermonatiges Praktikum beginnen, also fast zeitgleich mit dem Ausbruch der Corona Pandemie in Deutschland. In dieser vor allem für Menschen mit Kindern herausfordernden Zeit konnte sie das Praktikum dank der Hilfe ihrer Familie weiterführen – diese übernahm im Lockdown und darüber hinaus die Betreuung von der 6-jährigen Gul, die normalerweise in den Kindergarten geht. Das viermonatige Praktikum wurde um weitere sechs Monate verlängert und im Februar 2021 wurde Frau Suliman fest eingestellt. Als Ingenieurin passt sie dort gut ins Team.

Für die Zukunft wünscht sich Frau Suliman vor allem Frieden in Syrien und in der Ukraine - beruflich ist sie in Deutschland angekommen.