Auf dem Weg zu einer sicheren beruflichen Zukunft

Im Alter von 46 Jahren bekam Marea Gumbi die Chance, ihr berufliches Leben von Grund auf neu aufzubauen. Den entscheidenden Impuls gaben ihr das Projekt „Mümi – Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein“ und die persönliche Betreuung durch Heide Jeep von der „Stark im Beruf“-Kontaktstelle des Bonner Vereins für Pflege- und Gesundheits- berufe e. V. 1970 im Irak geboren, kam Frau Gumbi zusammen mit ihrem damals vierjährigen Sohn Mitte der 90er-Jahre nach Deutschland. Heute lebt sie in Bonn und hat nach vielen Herausforderungen eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Pflegefachkraft begonnen.

Der Weg von Marea Gumbi zu einer sicheren beruflichen Perspektive war alles andere als einfach. Berufliche Sicherheit hat sie nach ihrer Ankunft in Deutschland zunächst nicht kennengelernt.

Nach Deutschland kam Frau Gumbi im Jahr 1996, zusammen mit ihrem damals vier Jahre alten Sohn. Die ersten zwölf Jahre verbrachte sie in Berlin, wo 2003 ihre Tochter zur Welt kam. Drei Jahre später zog sie mit den beiden Kindern nach Bonn. Eine sichere berufliche Perspektive fand sie aber lange nicht: „Heute arbeitest du da und morgen weißt du nicht, wie und wo. Ich wusste nicht, was ich als Nächstes mache. Und ich habe nie viel Geld verdient.“

Auf ihrer Suche erfuhr Frau Gumbi durch eine Freundin von dem Projekt „Mümi“, das sich speziell an Mütter mit Migrationshintergrund richtete. Der Bonner Verein für Pflege­ und Gesundheitsberufe e.V. ist seit 2015 „Stark im Beruf“­Kontaktstelle und Heide Jeep ist seit Anfang an als Projektleiterin dabei.

Frau Gumbi kam 2016 ins Projekt und nahm zunächst an einem Gruppen­kurs teil. Unterrichtsinhalte waren unter anderem pflegespezifischer Fachunterricht, Feststellung von Schlüsselkompetenzen und Berufsorien­ tierung. Frau Gumbi konnte in einem Schnupperpraktikum feststellen, ob der Pflegeberuf für sie infrage kommt. Hilfreich sind hier die Mentorinnen, die die Ausbildung schon abgeschlossen haben und sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden wie die Frauen im Projekt. Dies schafft Vertrauen. Als größte Hürde für jede weitere berufliche Karriere erwies sich der fehlende Schulabschluss. Zwar hatte Frau Gumbi im Irak zwölf Jahre lang die Regelschule besucht, aber ihre Zeugnisse waren im Irak verbrannt. So machte sich Frau Gumbi im Alter von 46 Jahren daran, erneut die Schulbank zu drücken. Zum Glück wurde der Hauptschulabschluss auch direkt vom Bonner Verein für Pflege­ und Gesundheitsberufe e.V. angeboten und sie konnte weiterhin von „Stark im Beruf“ begleitet werden. Heute lacht sie über die eigenartige Erfahrung, die so wichtig war, um ihr berufliches Leben in eine erfolgreiche Bahn zu lenken: „Was ich an dem Projekt toll finde, ist, dass es die Frauen aus ihrem Familienalltag herausholt, sodass sie am Ende eine eigene Zukunft und Arbeit haben und in die Gesellschaft integriert werden.“

Nachdem sie den Hauptschulabschluss erfolgreich absolviert hatte, konnte sie die einjährige Ausbildung als Altenpflegehelferin antreten. Leider hat sie beim ersten Anlauf die schriftliche Prüfung nicht bestanden. Da sie weiterhin im Projekt begleitet wurde, konnte sie sich mit Unterstützung auf die erneute schriftliche Prüfung vorbereiten, die sie erfolgreich bestand. Danach arbeitete sie zwei Jahre in ihrem Beruf in der Intensiv­ pflege in einer Wohngemeinschaft. Die Unterstützung durch „Stark im Beruf“ brachte Sicherheit und schuf Vertrauen. Noch heute ist die Begeisterung spürbar, wenn sie über den gemeinsamen Weg spricht:

„Sie haben uns den richtigen Weg gezeigt und alles erklärt. Ich kann also wirklich nur sagen: Das hat mich so stark gemacht. So kamen wir immer weiter.“

Und Frau Jeep betont: „Es ist richtig, dass wir unsere Frauen unterstützen und viele Hindernisse und Stolpersteine aus dem Weg räumen, da wir das Fachwissen besitzen. Dass wir ihnen eine Menge zutrauen und sie für klug und lernbegierig halten, merken die Frauen und es strahlt auf sie ab. Aber die Frauen selber sind es, die die Chance ergreifen und sich auf den Weg machen.“

Frau Gumbi entschied sich, die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft zu absolvieren, weil sich so weitere Aufstiegsmöglichkeiten und eine bessere finanzielle Existenzsicherung boten. 2021 unterstützte Frau Jeep sie bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz, beriet sie zu arbeitsrechtlichen Fragen und half ihr bei Behördengängen.