Bericht zur Abschlusskonferenz „Starkes Programm, starke Geschichten“ am 08. Juni 2022

Gesprächsrunde mit Projektleiterinnen und SiB-Teilnehmerinnen (c) BAFzA/H. Jennerich

Und dann war es doch keine Abschlusskonferenz! Das aus Mitteln des ESF geförderte -Bundesprogramm „Stark im Beruf“ geht nach gut sieben Jahren zu Ende - aber den SIB-Kontaktstellen wird die Möglichkeit eröffnet, eine halbjährige Anschlussfinanzierung aus Bundesmitteln zu beantragen. Diese gute Nachricht verkündete die Staatsekretärin im Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Margit Gottstein und betonte die Wichtigkeit dieses Programms – auch im Hinblick auf die vielen geflüchteten Mütter aus der Ukraine.  

„Dieser Weg, den die Mütter gehen, ist sicher nicht einfach und es gilt viele Hürden zu nehmen“, leitete Gottstein ein. „Stark im Beruf“, so betonte sie, sei vor allem ein Sprungbrett für diese Mütter und biete die Unterstützung, die sie brauchen. Dies werde durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kontaktstellen gewährleistet, die dieses Programm so erfolgreich machen. Auch während der Corona-Pandemie habe die Unterstützung nicht abgenommen. Im Gegenteil: es sei nach schnellen und praktischen Lösungen gesucht worden, um die Frauen weiterhin auf ihrem Weg begleiten und eine durchgängige Betreuung anzubieten zu können.

Die Berliner Moderatorin Hatice Akyün führte durch das abwechslungsreiche Programm der Konferenz. So wurde gleich zu Beginn ein animierter Film über die Wirkungsweise von „Stark im Beruf“ vorgestellt. Als musikalische Begleitung trat das Berliner Ensemble für klassische türkische Musik e. V. auf. Die Leiterin der SiB-Kontaktstelle IBBC e. V. aus Neukölln, Ilknur Gümüs hatte den Kontakt hergestellt und sang begeistert die neoklassischen Chorlieder mit. Das Publikum ließ sich von der musikalischen Darbietung mitreißen.  

Im Anschluss wurde eine Bilanz der sieben Programmjahre von Christine Mühlbach (BMFSFJ), Kristina Broens (Kompetenzzentrum „Stark im Beruf“) und Christoph Schwamborn (Stiftung SPI) gezogen. Dabei wurde festgestellt, dass sich die Gesellschaft seit Beginn des Programms positiv verändert habe. Es gebe mittlerweile stärker ein Bewusstsein für Migrantinnen und Migranten und den möglichen Problemen, denen sich diese stellen müssen. Ebenso werde der Mehrwert und die Notwendigkeit erkannt, Menschen mit Migrationsgeschichte erfolgreich und individuell zu integrieren und sie dabei zu unterstützen. Dazu habe „Stark im Beruf“ maßgeblich beigetragen, da es nicht nur das Problem auf die politische Agenda geholt habe, sondern bis heute erfolgreiche Lösungen biete.

 „Es war toll die Wegbegleitung dieser Frauen seien zu können. Es ist ein wichtiges Projekt sie dabei unterstützen zu können wieder in den Beruf zu finden und damit auch ihr Selbstbewusstsein zu stärken“, fasste eine Mitarbeiterin der Kontaktstellen aus dem Publikum zusammen. Diese Einschätzung teilten auch die Anwesenden auf der Bühne und betonten die Wichtigkeit der Rolle der Kontaktstellen und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Eine ehemalige Teilnehmerin, die mittlerweile selbst Mentorin im Programm ist, bekräftigte, wieviel ihr „Stark im Beruf“ ermöglicht habe und dass sie sich durch das Programm erst wahrgenommen fühlte – genau dieses Gefühl möchte sie auch anderen Frauen vermitteln.

Nach einer Mittagspause wurde die Broschüre „Starke Mütter – starke Geschichten“ vorgestellt, in der sechs Teilnehmerinnen von „Stark im Beruf“ von ihren Erfahrungen und ihrem Werdegang berichten. In einer Gesprächsrunde mit Projektleiterinnen und Teilnehmerinnen des Programms Angela Dovifat (Goldnetz e.V.) und Liubov Bero (Interview auch in der Broschüre zu finden), Christina Klüh (Kiezküche e.V.), Ilknür Gümüs (IBBC Interkulturelles Beratungs- und Begegnungscentrum e.V.) und Media Ziyadbakhsh wurden die einzelnen Geschichten und Eindrücke der Teilnehmerinnen und der jeweiligen Projektleiterin erzählt und darüber gesprochen, wie „Stark im Beruf“ ihnen Perspektiven ermöglichte. Als eine der größten Herausforderungen wurde wiederholt die Anerkennung ausländischer Qualifikationen genannt, egal ob Studium oder Ausbildung. Dies gelänge oft nur mit großem Aufwand, verbunden mit viel Bürokratie. Für Menschen, die meist mit geringen oder gar keinen Deutschkenntnissen nach Deutschland kämen, sei dies oft ein großes Hindernis. Dadurch laste viel Verantwortung auf den Müttern, sich selbst zu informieren und zu organisieren, zusätzlich zu der ohnehin herausfordernden Familiensituation. Zudem sind nicht wenige dieser Frauen alleinerziehend.

Genau hier setzt das Programm „Stark im Beruf“ an, wie die Teilnehmerinnen betonten. Denn erst durch die gezielte und individuelle Unterstützung konnten sie Familie und einen beruflichen Wiedereinstieg in einem fremden Land unter einen Hut bringen. Ein starker Charakter und der Wille, etwas zu verändern, vereinen die Mütter in dem Programm, darüber waren sich alle Projektleiterinnen einig. Sie sind stolz auf den Weg, den die Teilnehmerinnen gegangen sind und dass sie nie aufgegeben haben. Genau das war auch die Botschaft der Mütter: niemals aufgeben, immer weitermachen und daran glauben, die eigenen Wünsche zu erfüllen.

Anschließend an diesen inspirierenden Austausch sprach Dr. Thomas Metker, Unterabteilungsleiter im BMFSFJ, das Schlusswort und dankte allen Verantwortlichen, die dieses Programm möglich gemacht haben. Die positiven Erfahrungen von „Stark im Beruf“ würden nun im ESF Plus Programm „MY TURN – Frauen mit Migrationserfahrung starten durch“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, aufgegriffen werden.

Die Konferenz war ein gebührender Abschluss für ein erfolgreiches Programm und wir bedanken uns bei allen Teilnehmerinnen, Unterstützerinnen und Unterstützern für Ihren unermüdlichen Einsatz und freuen uns auf das noch kommende halbe Jahr.

Hier die Videoaufnahme der Veranstaltung: