Fachgespräch: Erwerbspotenziale mitreisender Partnerinnen und Partner heben

Die Diskussionsrunde beim Fachgespräch: Moderatorin Kristina Broens (Ramboll), Dr. Niklas Harder (DeZIM), Dr. Christina Boll (DJI), Dr. Thomas Metker (BMFSFJ), Astrid Meyer (EWIBO Bocholt) und Dr. Verena Andrei (Welcome Center Region Stuttgart)

Fachkräfte aus dem Ausland kommen häufig nicht alleine nach Deutschland, sondern mit ihren Familien. Zwei neue Studien zeigen die Potenziale und Unterstützungsbedarfe von Partnerinnen und Partnern auf. Vorgestellt und diskutiert werden die Ergebnisse während eines Online-Fachgesprächs am 24. Februar 2022, das via YouTube live übertragen wurde.

Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium Margit Gottstein betonte in ihrem Grußwort „Hinter jeder Arbeitskraft, die zu uns kommt, stehen meist eine Partnerin oder ein Partner. Als Einwanderungsgesellschaft sind wir in der Pflicht, sie alle in den Blick u nehmen. Deshalb müssen wir Familien von neu einreisenden Fachkräften in den Regelangeboten mitdenken und gemeinsam überlegen, ob es weitere Angebote braucht, die frühzeitig im Integrationsprozess greifen. So gewinnen wir Fachkräfte und halten Familien."

Analysen des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM-Institut) verdeutlichen, dass partnerschaftlicher Familiennachzug mittlerweile ein Hauptmotiv für die Zuwanderung nach Deutschland ist. Mehr als ein Viertel aller Migrantinnen und Migranten im erwerbsfähigen Alter ist seit 2005 aus familiären Gründen gekommen. 60 Prozent der nachreisenden Partnerinnen und Partner weisen mindestens einen Schulabschluss auf, der mit dem deutschen Abitur vergleichbar ist. Aber: Nur etwa die Hälfte von ihnen ist auch erwerbstätig.

Insbesondere Frauen mit kleinen Kindern verpassen häufig den beruflichen Einstieg in Deutschland. Ihnen fehlt es hierzulande an Sichtbarkeit und Repräsentanz im beruflichen Integrationsprozess, so die Erkenntnisse einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Während die Karriere des Mannes im Vordergrund steht, erscheinen die begleitenden Partnerinnen häufig in der Rolle von "Adressatinnen zweiter Ordnung". Beratung zum Berufseinstieg und zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sollten früher im Integrationsprozess ansetzen, so die Forderung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Wie dies gelingt, zeigt das ESF-Bundesprogramm "Stark im Beruf". Mütter erhalten dabei - häufig in enger Abstimmung mit Jobcentern und Arbeitsagenturen - bei 85 Kontaktstellen individuelle Planungen für den persönlichen Berufsweg.

Youtube-Aufzeichnung des Fachgesprächs

Die Präsentation von Dr. Niklas Harder (Dezim-Institut) finden Sie hier.

Die Präsentation von Dr. Eveline Reisenauer (DJI) finden Sie hier.

DeZIM Briefing Note:Überqualifiziert und un(ter)beschäftigt: Potenziale nachziehender Partner*innen für den deutschen Arbeitsmarkt (PDF)

 

 

Weitere Informationen zu Partnerinnen im Familiennachzug finden Sie hier